Vor ziemlich genau zwei Jahren veröffentlichte ich Folge 12 von SchrubberTV zum Thema “Profesionelle Textkorrekturen in Adobe Acrobat”. Obwohl damals bereits Acrobat X auf dem Markt war, verwendete ich für mein Tutorial Acrobat Professional 9. Dafür hatte ich einen guten Grund, zu dem ich gleich ein paar Sätze verlieren möchte.

Kurz darauf wurde dann Acrobat XI veröffentlicht, bei dem sich für mich nur unwesentliche Kleinigkeiten und am User Interface gar nichts änderte. Ich blieb daher auch weiterhin für Korrektur-Aufgaben aber auch den gesamten Reinzeichnungs-Prozess bei Acrobat 9. Seit der Veröffentlichung von Acrobat XI ist nun einige Zeit vergangen, und ich war zuversichtlich, dass die wesentlichen Kritikpunkte, die ich an den Versionen nach 9 gehabt hatte, bereinigt werden würden.

Nun steht der brandneue Acrobat DC zur Verfügung, und das Ergebnis meines ersten Testflugs damit ist zwiespältig. Kurz zu den guten Nachrichten: Das Aufregendste für mich ist die Tatsache, dass das Universal-Werkzeug im Bereich der Kommentare seinen Weg zurück in die aktuelle Version gefunden hat. Nachdem in Version X und XI neben den anderen Kommentar-Werkzeugen nur noch die drei (meiner Meinung nach unnötig komplizierten) Einzelwerkzeuge “Text löschen”, “Text ersetzen” und “Text einfügen” vorhanden waren, so dass man für jede Einzelmaßnahme das Werkzeug wechseln musste, kann man dies nun wieder mit dem Werkzeug mit dem Sternchen bewerkstelligen. Dieses Werkzeug könnte alle drei Einzel-Tools ersetzen, ist aber – wie früher – zusätzlich zu diesen vorhanden. Hier hat Adobe offenbar erneut der Mut verlassen. (Selbst im offiziellen Tutorial bei lynda.com rätselt die Sprecherin über den Sinn dieser Redundanz.)

Natürlich sind die neuen Funktionen zur Dokumentenverwaltung und -unterzeichnung durchweg positiv, und darüber wurde auch bereits ausführlich berichtet. Für den Print-Workflow spielt dies jedoch eine untergeordnete Rolle. Und auch, wenn man sich im komplett neu gestalteten User Interface erst einmal zurechtfinden muss, sollte das rasch gelingen. Also auch die Optik ist durchaus als gelungen zu bezeichnen.

Das war es allerdings leider auch schon mit den guten Nachrichten.

Um den Bogen zurück zu Folge 12 von SchrubberTV zu spannen: Warum bin ich auch während Acrobat X und XI bei Version 9 geblieben? Das hat hauptsächlich mit einer äußerst nützlichen aber anscheinend nicht mehr erwünschten Funktion der Kommentarliste zu tun. Man kann in dieser Liste einen Filter für den Status des Kommentars anwenden. Wenn ich eine Korrektur bekomme, dann haben alle Kommentare den Status “Kein”. Während ich nun die Änderungswünsche abarbeite, versehe ich jede ausgeführte Korrektur mit einem Status. Zumeist “Akzeptiert”, manchmal aber auch “Abgelehnt”, wenn es dafür gute Gründe gibt.

Vor allem bei Dokumenten mit sehr vielen Kommentaren ist es sehr hilfreich zu sehen, welche Kommentare bereits bearbeitet sind und welche noch ausstehen. Hierzu lässt sich besagter FIlter anwenden, den ich so einstelle, dass mir lediglich die Kommentare angezeigt werden, die den Status “Kein” besitzen. Und jetzt kommt es: Bis Version 9 aktualisierte sich der Filter noch bei jeder Aktion von selbst. Das bedeutet, sobald ich einem Kommentar einen Status zuwies, hatte dieser Kommentar ja nicht mehr den Status “Kein” und wurde somit ausgefiltert. Im Klartext: er verschwand postwendend aus der Kommentarliste. Es blieben also lediglich die noch nicht bearbeiteten Kommentare übrig. So konnte ich einen nach dem anderen bearbeiten und war am Ende absolut sicher, keine noch so kleine Änderung übersehen zu haben, da der Auftrag erledigt war, wenn die Liste leer war.

Diese Funktionalität wurde mit Version X abgeschafft. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Wenigstens eine entsprechende Option in den Voreinstellungen wäre sicherlich machbar gewesen. Jedoch ist es nun so, dass der Filter jeweils nur einmalig zum Zeitpunkt des Filterns angewendet wird. Also Kommentare, die bis dahin einen Staus anders “Kein” haben, verschwinden aus der Liste. Alle Kommentare, die erst danach einen solchen Status zugewiesen bekommen, bleiben stehen. Und zwar so lange, bis ich den Filter erneut anwende. Bei umfangreichen Korrekturen kann das tatsächlich einiges an Zeit kosten, und meine konzentrierte Arbeitsweise wird dadurch immer wieder unterbrochen, dass ich wieder und wieder den Filter anwenden muss, um den Überblick zu behalten.

Weiterhin enttäuschend, wenngleich funktional unerheblich, ist die Tatsache, dass bei dem schönen neuen UI der Version DC für mich als Reinzeichner wichtige Funktionen wie “Preflight” und “Separationsvorschau” noch immer als fliegende Fenster ausgeführt sind, die auch immer noch so aussehen, wie vor drei bis zehn Versionen. Auch, wenn es in Sachen Reinzeichnung inhaltlich nichts Neues gibt, da sich der Prozess inzwischen nicht verändert hat, ist es  traurig, dass man sich offenbar nicht die Mühe gemacht hat, auch die bisherigen Kernfunktionen in’s neue Look and Feel zu übertragen.

Fazit: So sehr ich die Rückkehr des universellen Kommentar-Werkzeuges begrüße, so sehr bin ich enttäuscht darüber, dass wesentliche Einschränkungen auch nach drei Versionen immer noch vorhanden sind. Ich werde also für meine “ernsthafte Arbeit” weiterhin mit Acrobat 9 arbeiten, und falls ich eine nützliche Anwendung für die neue Dokumentenverwaltung für mich entdecken kann, werde ich dafür Version DC nutzen.

Allemal ist es schade, dass ich Acrobat 9 nicht endlich in den verdienten Ruhestand schicken kann.